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Practical Taoism [10]
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Wenn du inmitten von einer Menge Leute bist, oder wenn du eine Arbeit zu verrichten hast, stelle sicher, dass dein Geist bewacht wird, auf dass er nicht beeinflusst werde;
suche immer nach deinen eigenen Fehlern, und gib dich nicht mit den Irrtümern der anderen ab.
Es wird gesagt: „ Sicher und entschieden, grimmig entschlossen zerteile mit einem einzigen Schlag.“
Personen, die hoch kultiviert sind, sollten ihren Geist in dieser Weise schulen. Wenn du nicht einen entschlossenen Willen erweckst und nicht eine scharfe, entschiedene Haltung einnimmst,
sondern deine Tage in Muße verbringst, so wie du dich gerade fühlst, auch wenn du sagst, du bist ein Übender auf dem Weg, so kannst du nicht erwachen und frei werden.
Schließlich bist du umhüllt von willkürlichen Verwicklungen, in gefühlsmäßigen Ansichten umhertreibend. Das Rad von Geburt und Tod dreht sich weiterhin, und der Weg kann nicht verwirklicht werden.
Die Schriften sagen:
„ Von innen her den Geist betrachtend hat der Geist nicht solchen Geist; von außen her den Körper beschauend hat die Form nicht solche Form.
Wenn man im Allgemeinen die Dinge beobachtet, haben die Dinge keine ´Dingheit´. Dies einmal verstanden, sieht man nur die Leere.“ Dies ist die Praxis, das Sein aufzugeben und zum Nicht-Sein zurückzukehren.
Normalerweise ist der Geist des Menschen innerlich befasst mit Sorgen und willkürlichen Phantasien, während sein Körper äußerlich eingebunden ist in Ehre und Schande, Profit und Verlust;
und allgemein zuviel Verlangen und Anhaften.
Dies sind die drei Bedingungen, aber alles in allem, wenn du auf eine von ihnen fixiert bist,
deshalb haben die alten Zauberer die Menschen dahingehend unterrichtet, dass die Praxis diese erste Ablösung vom Sein erfordert; wenn du nicht am Sein anhaftest, ist es selbst leer.
Entsprechend dem Satz, der Geist hat nicht solchen Geist, sind alle willkürlichen Ideen, Fixierungen auf Gegenstände und berechnende Vorhaben illusorisch und unwirklich.
Sie kommen von eingebildeter „Vergegenständlichung“ und verschwinden auch als solche wieder; wenn du irgendeine Form der Wirklichkeit suchst, wirst du keine finden.
Deswegen sagt man, der Geist hat nicht solchen Geist.
Zu „die körperliche Form hat nicht solche Form“ und „Dinge haben nicht solche ´Dingheit´“
[kann man sagen], dass körperliche Form und Dinge sehr bald zerfallen und schließlich zum Nichts zurückkehren. Dies ist beobachtende Einsicht oder Verständnis; hat man einmal verstanden,
so wird man natürlicherweise von Illusionen losgelöst und so verschwinden Irrglaube und willkürliche Phantasien von selbst, ohne, dass sie ausgelöscht werden müssten.
Gedanken des Geistes sind leer, deshalb heißt es „man sieht nur Leere“. Dies ist eine Angelegenheit von transzendentalem Wissen, nicht von dahergelaufenem Quietismus.
„Nachdenken über die Leere ist ebenfalls leer; es gibt für die Leere nichts zu leeren.“
Dies sagt man um von dem Wort Leere loszukommen. Wenn du auf das Sein fixiert bist,
dann musst du die Kraft der Leere erlangen; wenn du fähig bist leer zu sein, gibt es nur diese Leere in deinem Herzen. Auf diese Weise wird die Leere zur Behinderung deines Geistes. Wie das?
Das nennt man süchtig werden nach der Medizin, die so wiederum Krankheit verursacht.
Wenn Übende fest an der Leere anhaften, sind sie genauso wie jene, die an der Existenz festhalten.
Deshalb haben die alten Zauberer ihre Schüler gelehrt, diese Leere zu beseitigen. Also sagen die Schriften, dass Nachdenken über die Leere ebenfalls leer ist, da es für die Leere nichts zu leeren gibt.
„Da das, was geleert ist, nichts ist, ist ´Nichtheit´ nichtig und somit nicht existent.“ Dies lässt uns ´Nichtheit´ also auch aufgeben. Sobald Leere gegangen ist und zu ´Nichtheit´ wurde,
ist da immer noch das Gewahrsein von Nichts; diese Wahrnehmung von Nichts ist ebenfalls Leiden, also muss es ebenfalls vergessen werden.
Allgemein kann man sagen, jene, die an der großen Praxis arbeiten, sollten überhaupt gar keine Fixierung haben. Sobald die kleinste Fixierung auftritt – es macht keinen Unterschied ,
ob das Objekt der Anhaftung Existenz, Leere oder ´Nichtheit´ ist – sie alle werden zu bindenden Fesseln. Deshalb ist es unbedingt erforderlich sie loszuwerden, nachdem dies vollendet ist.
„Da nicht-existierende ´Nichtheit´ nicht existiert, gibt es tiefgründige Ruhe und ewigen Frieden.“
Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, gibt es nichts mehr, von dem man loskommen müsste;
die Manifestation von purer, ganzer, einheitlicher, natürlicher Realität ist klar und ruhig, weder herauskommend, noch hineingehend. So wird es tiefe Ruhe und ewiger Friede genannt.
Diese Aussagen diskutieren die Arbeit mit der Leere; zuerst eindringend durch die Einsicht in das höchste und tiefgründigste Mysterium, dann das Wort „Verständnis“ hervorbringend, welches unbedingt notwendig ist.
Die vorhergegangenen Passagen – manche komplex, manche einfach, manche flach, manche tief, manche analytisch, manche allgemein, manche fortschreitend von Anfang bis Ende,
manche beginnend in der Mitte – sind alle über die Arbeit der Reinigung und Verfeinerung des Geistes, um mit dem Wunder des Großen Weges des absoluten Nicht-Widerstehens zu verschmelzen.
Wenn jene, die lernen wollen, all dies in ihren Übungen miteinander verbinden, werden sie, so hoffe ich, dem Weg nicht fern bleiben.

Practical Taoism übersetzt von Marlies und “Örmi” (Tao-Chi Übersetzerkreis)
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Thomas Cleary, aus der Einführung zu “Practical Taoism”

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